Durch meine Tätigkeit in der psychoonkologischen Ambulanz, auf der Palliativstation und auf der Intensivstation begleiten mich die Themen Tod, Sterben, Abschied und Verlust seit vielen Jahren – sowohl in psychologischer als auch in existentieller Hinsicht.
Ein besonderer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt in der Trauerbegleitung und Trauertherapie. Dabei ist mir ein Verständnis von Trauer wichtig, das nicht auf ein „Abschließen“ oder bloßes Loslassen zielt. Vielmehr geht es darum, den Verlust innerlich zu verarbeiten und zugleich eine neue Form der Verbindung zum verstorbenen Menschen zu finden.
Besonders wertvoll finde ich in diesem Zusammenhang den Ansatz von Roland Kachler, der Trauer nicht als Ende der Beziehung versteht, sondern als Veränderung der Beziehung. Die Verbindung zum verstorbenen Menschen darf bleiben – sie kann sich wandeln und eine neue innere Gestalt finden.
Über das Gespräch hinaus arbeite ich bei belastenden Trauerprozessen auch mit einer Methode, die an EMDR angelehnt ist: Induced After Death Communication (IADC) nach Alan Botkin. Diese Methode kann dabei unterstützen, belastende Erinnerungen, Schuldgefühle, innere Bilder oder ungeklärte Gefühle zu verarbeiten.
Dabei kann sich die Trauer manchmal in eine ruhigere, versöhnlichere Form von Verbindung verwandeln. Häufig entsteht dadurch eine spürbare Entlastung – besonders dann, wenn der Verlust mit Schuld, Schock, traumatischen Erinnerungen oder unerledigten inneren Gesprächen verbunden ist.
Diese Form der Arbeit kann auch bei Trennungen, Abschieden und anderen Verlusterfahrungen hilfreich sein.
Literaturempfehlung
Kachler, Roland (2017). Meine Trauer wird dich finden. Ein neuer Ansatz in der Trauerarbeit. Freiburg: Herder Verlag.